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Donnerstag, 12. Dezember 2024

Kupferstich Augsburg

Kupferstich Augsburg · Topographie und Geschichte

Kupferstich Augsburg · Topographie
Kupferstich Augsburg

An der ehemaligen Römerstraße »Via Claudia Augusta« zwischen Dom und St. Moritz entwickelte sich im 11. Jh. eine Siedlung von Kaufleuten am Perlach.

Sie ist die Keimzelle der Bürgerstadt, die sich im Gegensatz zur Domstadt entfaltend immer mehr der Herrschaft des Bischofs entzog, um endlich selbst die Geschicke der Stadt in eigenen Hände zu nehmen.

Der Blick auf den Ludwigsplatz mit Rathaus und Perlach, nach einem Kupferstich von J. Wolff, zeigt den zentralen Abschnitt dieser Straße, die für die Geschichte Augsburgs so bedeutend ist. Im Mittelalter waren die Wirren des Investiturstreites zur Erweiterung seiner Selbstverwaltung genutzt worden.

Kaiser Lothar zerstörte die staufisch gesinnte Bürger- und Domstadt. Nach deren Wiederaufbau gab Kaiser Friedrich Barbarossa der Bürgerstadt 1156 eine Stadtrechtsurkunde, welche die Rechte des bischöflichen Stadtherren einschränkte.

Zwei Jahre später fällte er hier den für die derzeit noch unbedeutende Ortschaft München wichtigen Schiedsspruch zwischen Heinrich dem Löwen und Bischof Otto von Freising zugunsten des ersteren. Die Hochstiftsvogtei zog er an sein Haus und setzte einen königlichen Stadtvogt ein.

Diese Voraussetzungen waren dazu angetan, die Bürger in ihren Bemühungen um die Stadtherrschaft zu bestärken. Sie erzwangen sodann 1250 in einem Aufstand gegen den Bischof die zuvor angelegte Stadtbefestigung für sich und dazu das Besteuerungsrecht. Neben der Kirche St. Peter besaßen sie bald ein Rathaus und 1266 wurden erstmals der Bürgermeister und die Konsuln der Stadt erwähnt.

Als Augsburg 1316 zur unveräußerlichen Reichsstadt wurde, war damit die bischöfliche Herrschaft im Wesentlichen abgestreift.

Wenn auch in der Augsburger Bischofsresidenz von den lutherischen Reichsständen Kaiser Karl V. die »Confessio Augustana« übergeben wurde und ein Augsburger Reichstag den Religionsfrieden beschloss, in dem Katholizismus und Luthertum im ganzen Reich gleichgestellt wurden, so war die Stadt selbst an diesen Vorgängen nicht direkt beteiligt. In erster Linie hatte sie den Ausbau ihres Handels und der Wirtschaft vorangetrieben.

Nun traten die Häuser der Fugger und Welser in den Vordergrund. Auf dem Kupferhandel und die Hochfinanz, vorzüglich des Habsburger Hauses, gründete sich die Macht der Fugger. Die Welser erhielten 1528 das spanische Venezuela zugesprochen.

Die durch den 30jähren Krieg verursachten Rückschläge holte Augsburg durch den guten Ruf seiner Gewerbe bald wieder auf. Die erlangte Bedeutung als Bank- und Wechselplatz verlor es zwar an München, doch wuchs die Stadt Augsburg zu einer modernen Industriestadt weiter heran.

Donnerstag, 8. Februar 2024

Weltgeschichte und Kriege

Weltgeschichte und Kriege · Hermann Hesse

Weltgeschichte und Kriege · Hermann Hesse
Weltgeschichte und Kriege

Weltgeschichte und Kriege · Hermann Hesse · Brutales Theater


Die Weltgeschichte ist ein schnödes und brutales Theater. Es lehrt, dass alles ziemlich dreckig ist und bald wieder verfault. Die Geschichte des Geistes ist schon erfreulicher, da eigentlich alles einmal Entstandene ziemlich ewig ist und Harmonie herrscht zwischen allem was geistgeboren ist.

Ich bin weit von aller Geschichtsphilosophie abgerückt und hüte mich, im einzelnen Kriegen und anderen Greueln einen »Sinn« zu geben. Aber ich glaube nach wie vor an Menschen, d.h. daran, dass er ebenso des Guten wie des Schlimmen fähig ist und dass er aus allen Verzerrungen der Rückkehr zur Vernunft und Güte fähig ist.

Man schießt und brennt die Welt in Trümmer und ist dabei völlig unschuldig. Man ist »Exponent« oder »Faktor« oder irgend etwas Geistreiches, aber kein Mensch, kein moralisches, unter Gott stehendes, ihm verantwortliches Wesen. Ich gebe keinen roten Pfennig dafür.

Einzig im Krieg wird das Töten erlaubt, weil im Krieg keiner aus Hass oder Neid zum eigenen Vorteil tötet, sondern alle nur das tun, was die Gemeinschaft verlangt.

Der Mensch, der sich selber zuliebe nicht das kleinste Sittengebot übertreten darf … für die Gemeinschaft, für Volk und Vaterland darf er alles tun, auch das Verbotenste, auch das Furchtbarste, und jeder sonst verpönte Trieb wird hier zu Pflicht und Heldentum.

Völlig falsch ist die Meinung, wie man so oft hört, dass Krieg schon durch seinen bloßen Umfang, seine grässliche Riesenmechanik geeignet ist, künftige Generationen vom Krieg abzuschrecken. Abschreckung ist kein Erziehungsmittel.

Ich gehöre zu den Kriegsgegnern aus nichtchristlichen Gründen. Es würde für mich, wenn ich einer Kirche angehörte, z.B. die Frage entstehen können: »Darf ein Kriegsgegner der Kirche angehören, die den Krieg billigt und segnet?« Denn aus einer Kirche kann jeder austreten, aus ihrem Staat aber können es die wenigsten.

Wie jeder totgeschossene Soldat die ewige Wiederholung eines Irrtums ist, so wird auch die Wahrheit in tausend Formen ewig und immer wiederholt werden müssen.

Der Mann der nie zu spät kam

 Der Mann der nie zu spät kam Der Mann der nie zu spät kam